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2007 · 2005-2014

TomTom Map Share: Wenn Fahrer Karten und Routen mitkorrigieren

Ausgangslage

Digitale Navigationsgeräte wurden zunächst mit einer weitgehend abgeschlossenen Karte verkauft. Neue Straßen, geänderte Fahrtrichtungen oder vorübergehende Sperren erreichten den Nutzer erst mit einer späteren Kartenveröffentlichung. Wer einen Fehler unterwegs bemerkte, konnte die produktive Datenbasis und damit die nächste Routenentscheidung nicht unmittelbar verändern.

TomTom stellte Map Share am 5. Juni 2007 zusammen mit den Geräten GO 520 und GO 720 vor. Die zeitgenössische Produktdokumentation beschreibt sowohl lokale Sofortkorrekturen als auch den Austausch über TomTom HOME. Der Atlas verwendet den 5. Juni 2007 als Ereignis- und Veröffentlichungsdatum der Einführung.

Der Interaktivierungsmechanismus

Fahrer konnten eine Straße sperren oder freigeben, eine Einbahnrichtung umkehren, Straßennamen korrigieren und Points of Interest ergänzen. Bestimmte Änderungen wirkten sofort auf dem eigenen Gerät: Eine als gesperrt markierte Straße wurde bei der nächsten Route vermieden. Andere Korrekturen wurden über die Desktopsoftware an TomTom übertragen und konnten an weitere Nutzer verteilt werden.

Die Nutzer bestimmten dabei auch ihren Vertrauensfilter. Sie konnten ausschließlich von TomTom geprüfte Änderungen oder einen weiter gefassten Bestand akzeptieren. Beobachtung, Korrektur und Vertrauenswahl veränderten somit Kartendaten und die darauf folgende Routenberechnung. Das unterscheidet Map Share von einer bloßen Downloadfunktion.

Was sich am Wertschöpfungsmodell verschiebt

TomTom blieb Hersteller eines proprietären Navigationsprodukts, öffnete aber einen Teil der Kartenpflege für Kunden. Lokales Wissen wurde zu einem verteilten Produktionsfaktor zwischen den offiziellen Kartenzyklen. Der Käufer war nicht mehr nur Empfänger einer Karte, sondern konnte ihre operative Nutzbarkeit mitproduzieren.

Die Verschiebung setzte sich später in der zentralen Datenbasis fort. Tele Atlas, damals bereits eine TomTom-Tochter, teilte am 11. Februar 2009 mit, dass GPS-Messungen und Rückmeldungen von Map-Share-Nutzern in eine globale Kartenveröffentlichung eingeflossen seien. Damit wanderte der Rückkanal vom einzelnen Gerät in die industrielle Kartenproduktion.

Belegte Wirkung und Grenzen

Ein zeitgenössischer unabhängiger Bericht von Engadget bestätigte am Einführungstag, dass Korrekturen am Gerät vorgenommen, über einen Rechner hochgeladen und von anderen Nutzern übernommen werden konnten. Die später von TomTom gemeldeten fünf Millionen Verbesserungshinweise sind eine Anbieterangabe; sie belegen keinen entsprechenden Anteil fehlerfreier oder dauerhaft übernommener Änderungen.

Auch das Wort „sofort“ benötigt eine Grenze. Manche Änderungen galten nur lokal. Die gemeinschaftliche oder zentrale Übernahme hing von Synchronisierung, Vertrauensstufe und Prüfung ab. Nutzerbeiträge ersetzten daher weder professionelle Kartografie noch Qualitätskontrolle. Falsche oder veraltete Hinweise konnten selbst Fehlentscheidungen erzeugen.

Einordnung im Atlas

  • Klassifikation: europäisches kommerzielles Produkt mit gemeinschaftlicher Datenproduktion
  • Ereignisdatum: 5. Juni 2007
  • Status: eingeführt und später in die zentrale Kartenpflege erweitert
  • Interaktivierungsmechanismus: Fahrerbeobachtung verändert Kartenattribute; die geänderte Karte beeinflusst die nächste Route
  • Abgrenzung: lokale Sofortkorrektur, Community-Verteilung und Übernahme in die zentrale Karte sind getrennte Stufen

Verwandte Fälle

  • OpenStreetMap – offene gemeinschaftliche Geodateninfrastruktur statt proprietärer Produktfunktion.
  • Wikidata – Menschen und Bots verändern eine zentrale Datenbasis für nachgelagerte Anwendungen.
  • Tesla Over-the-Air-Updates – ein verkauftes Mobilitätsprodukt bleibt nachträglich veränderbar.

Quellen

  1. TomTom, „What’s new in TomTom GO 520/720“, zeitgenössische Produktdokumentation zu Korrekturtypen, Vertrauensstufen und Routenwirkung; veröffentlicht 2007Direkte Quelle ↗
  2. TomTom, „First in the World to Offer Users the Ability to Improve Maps Instantly Through Unique TomTom Map Share Technology“, datierte Einführungsmitteilung in zeitgenössischer Pressemitteilungsfassung; veröffentlicht am 5. Juni 2007Direkte Quelle ↗
  3. Engadget, „TomTom intros GO 720 with Map Share technology“, zeitgenössische unabhängige Bestätigung; veröffentlicht am 5. Juni 2007Direkte Quelle ↗
  4. Tele Atlas / TomTom, „Tele Atlas Uses Consumer Input to Add, Adjust Roads in Map Database“, Übernahme von Community-Signalen in die zentrale Kartenproduktion; veröffentlicht am 11. Februar 2009Direkte Quelle ↗