Distributed Proofreaders: gemeinschaftliche Buchkorrektur
Ausgangslage und Datierung
Charles Franks gründete Distributed Proofreaders im Jahr 2000. Rose Holleys D-Lib-Beitrag von März/April 2010 nennt Oktober 2000; die Projekt-Jubiläumsmitteilung vom 1. Oktober 2020 bestätigt die zwanzigjährige Geschichte. Der Atlas verwendet den Monat und behauptet keinen gesondert geprüften exakten ersten Betriebstag. Vorläufertests und spätere rechtliche Verselbstständigung sind davon zu unterscheiden.
Interaktivierungsmechanismus
Freiwillige vergleichen ein Seitenbild mit dem automatisch erkannten Text und senden ihre Korrekturen zurück. Die nächste Person erhält die bearbeitete Fassung zusammen mit dem Scan. Nach den beschriebenen Korrektur- und Formatierungsrunden werden Seiten zu einem E-Book zusammengeführt und für Project Gutenberg vorbereitet. Leserarbeit verändert somit das hergestellte Textprodukt und die Eingabe der nächsten Produktionsstufe.
Vergleich: Gegenpol
Distributed Proofreaders und die historische Buchphase von reCAPTCHA nutzen menschliche Lesearbeit für digitalisierten Text. Der Gegenpol liegt im Anlass und im Arbeitskontext: Hier entscheiden sich Freiwillige ausdrücklich für Seitenkorrektur und sehen den Scan; dort wird Worterkennung in eine Sicherheitsabfrage eingebaut. Es handelt sich nicht um zwei Profile desselben Dienstes.
- Vergleichsachse: Bewusste Buchmitarbeit / Texterkennung innerhalb einer Zugangskontrolle
- Ausgangsfall: reCAPTCHA: Buchdigitalisierung
Ähnlich zu Wikipedia auf der Produktionsachse: Beiträge verändern einen gemeinsamen Textbestand. Unterschiedlich ist das Ziel der Bearbeitung: Distributed Proofreaders rekonstruiert eine vorhandene Druckvorlage, während Wikipedia enzyklopädische Inhalte gemeinschaftlich formuliert und aktualisiert.
Belegte Grenzen
Die heutige Selbstdarstellung nennt drei Korrektur- und zwei Formatierungsrunden; diese genaue Struktur wird nicht auf den Start 2000 zurückprojiziert. Mehrfachprüfung garantiert keine Fehlerfreiheit. Werkauswahl und Bearbeitung hängen von verfügbaren Vorlagen und Freiwilligen ab. Das Projekt beschreibt Werke, die in den USA gemeinfrei sind; daraus folgt keine weltweite Rechtefreigabe. Korrektur ist keine Neufassung des historischen Originals.
Holleys Beitrag ordnet das Modell unabhängig ein; die dortigen Projektzahlen stammen teilweise aus Projektangaben. Historische Mengen- und Wachstumswerte werden hier nicht als heutige Qualitätsmessung übernommen.
Einordnung im Atlas
Nicht-kommerzielles Wertschöpfungs- und Produktionsmodell für digitale Literatur. Die Plattform veröffentlicht nicht bloß unveränderliche Scans: Beiträge verändern den gemeinsam produzierten Text. Diese Einordnung ist redaktionell; sie behauptet weder eine repräsentative Abdeckung des Kulturerbes noch generell bessere Qualität als bei professioneller Edition.
- Status: Etabliert · gemeinnützige Produktionsinfrastruktur
- Ereignisdatum: 2000-10; Präzision und Quellenlage siehe Ausgangslage.
- Profildatum: 5. Oktober 2026; Quellenpublikationsdaten sind separat angegeben.
- Rückkanal: Scan + OCR + Seitenkorrektur → nächste Prüfrunde + veröffentlichbares E-Book
- Modelltyp: USA / global · Kulturerbe · gemeinnützige Textproduktion
Verwandte Fälle
Quellen
- Distributed Proofreaders: datierte Jubiläums-Rückschau; veröffentlicht / Stand: 01.10.2020Direkte Quelle ↗
- Distributed Proofreaders: Seitenvergleich und gestufter Produktionsablauf; veröffentlicht / Stand: undatiert; geprüft 05.10.2026Direkte Quelle ↗
- Rose Holley, National Library of Australia: Crowdsourcing: How and Why Should Libraries Do It?; unabhängige Fachanalyse; veröffentlicht / Stand: März/April 2010Direkte Quelle ↗